Freitag, 16. April 2010

Tanzen in Buenos Aires + Tanzpartner finden

Einen Tanzpartner zu finden ist nicht immer leicht.
Und eventuell kann es sich lohnen,
trotzdem schon mal anzufangen! ;-)


Tango Tanzen in Buenos Aires
In Buenos Aires gibt es eine Unzahl von Milongas. In einigen Vierteln sogar mehrere in Fußentfernung, so daß man zu bestimmten Stoßzeiten (z.B Sonntag-auf Montag-Nacht nach 2-3 Uhr morgens) ganze Massen vom Loca ins LaViruta strömen sehen kann. Milonga-Hopping wird hier praktiziert. Und auch die morgens ins Büro müssen machen häufig noch mit. Bis die Sonne aufgeht und die Vögel zwitschern in Palermo, einem der schöneren, beinahe europäischen Charakter aufweisenden Viertel in Buenos Aires, wo ich derzeit lebe.

Nach der langen nacht von Montag auf Dienstag kann man sich am Montag im Canning einige Tango-Prominenz ansehen. Allerdings besser erst nach 24 Uhr, denn vorher kommmen die besseren Tänzer erst gar nicht. Gegen 3-4 Uhr ist allmählich etwas mehr Platz für rempelfreies Tanzen. Am Dienstag lohnt sich ein Besuch im Praktika-8, wer sich für junges Publikum mit Neigung für Nuevo-Stil interessiert. Alternativ bietet sich Porteno y Bailarin an, wo auf 2 Granit Tanzflächen sehr traditionell aufgefordert und getanzt wird. Hier kann man den Atem des alten Tango im Nacken spüren. Es wird einfach und eng getanzt. Am Mittwoch beginnt der Abend evtl. im Praktika-10, wieder junger Tango in einer discoähnlichen Athmosphäre, aber auf durchaus gemischt-hohem Niveau. Dann später auf dem für argentinische Verhältnisse aussergewöhnlich guten Holztanzboden im El Beso, wo (wie auch im Porteno y Bailarin am Dienstag) sehr traditionell gesetzt, gesessen, geschaut, aufgefordert und und getanzt wird. Auch hier kommen viele bessere Tänzer erst nach 2 Uhr nachts. Wenn man aber bis dahin einen Sitzplatz haben möchte, sollte man schon seit halb elf Uhr warten ;-), denn es kann sehr voll werden. Scheut man die sehr guten Tänzer und sucht eher auch mal ein Sofa in einer legereren Umgebung als in diesen zwei Milongas bietet sich zum Beispiel das Konnex an. Ein zum Kulturort umgebautes Industriegebäude mit einem gewissen Charme. Hier kann man auch mal den ein oder anderen elektronischen Tango hören, nach denen man sonst in Buenos Aires lange suchen muss. Gleichzeitig lockt am Mittwoch in San Telmo der Buenos Ayres Club mit dem jungen live-Orchester el Afronte in wirklich entspannt sympathischer Umgebung. Am Donnerstag ruft das Nino Bien, ein Dorado des traditionellen Tango. Am Freitag gibt es entspannten Open-Air Tango im Glorieta.
Danach raus fahren ins Baldosa, eine sehr sympathische, traditionelle Milonga mit Granitplateauboden, sehr hart, sehr schön. 
Am Samstag gibt es den Insider Tipp Glorias Argentinas. Die weite Fahrt lohnt sich. Die Leute sind vor allem 'Einheimische' und essen an großen Tischen leckere Sachen.

Dies ist nur eine Beispielwoche, die auch ganz anders aussehen könnte, ohne daß darin auch nur eine der oben genannten Milongas erwähnt würden.
- Vergessen würde man auf diese Weise: Gricel, el Tacuari, die legendäre und besichtungswerte Confiteria Ideal, ein Jugendstilgebäude mit 2 herrlichen großhalligen Stockwerken, natürlich das Sunderland, die Hochburg des Estilo Villa Urquiza (Tango Salon), und VIELE mehr...

Abgesehen von den Unterrichten und Practicas, 

die häufig auch vor den Milongas angeboten werden,
gibt es auch die Möglichkeit Einzelunterricht zu nehmen. In allen Fällen sind Spanischkenntnisse zu empfehlen.
Spanisch-Unterricht gibt es wie Sand am Meer.  

Eintrittsgelder
Im Internet kann man finden, daß noch etwa im Jahr 2007 der Eintritt für eine Milonga bei 5 Pesos, das sind derzeit 1 Eur gelegen haben muss. Mittlweile (2010) liegen die Eintritte selten unter 20 Pesos, das sind derzeit etwa 4,50 Eur. Also europäische Verhältnisse. Allerdings:

Es finden auf beinahe allen Milongas täglich(!) Shows statt. Hier kann man in einer Woche so viele Shows sehen wie an anderen Orten sonst im ganzen Jahr. Da kann man auch mal 20 Pesos hinlegen (wenn das Taxi unter Umständen schon 25 kostet ;-)


So, und jetzt mal noch viel Spaß beim Tanzen! :-)




You Tango Me


ursprünglich
Mittwoch, 27. Juni 2007

Der erste Schritt


Der erste Schritt im Tango ist zu stehen. Fuß fassen und sich in seinem Gewicht spüren. Tango ist Gravitation - Erdanziehungskraft. Unter den vier Temperament-Typen (Sanguiniker, Choleriker, Melancholiker und Phlegmatiker) besteht ein Zusammenhang zwischen Melancholie und dem Element Erde (Feuer > cholerisch, Erde > melancholisch, Wasser > phlegmatisch, Luft > sanguinisch). Sich auf die Erde stellen, heißt sich in der Ruhe aufrichten. Den Schwerpunkt der Erde in unserem eigenen Schwerpunkt zu spüren. Uns dabei aufrichten, heißt sich wie die Blume der Sonne zuwenden. Aus dem sicheren und bewussten Stehen können wir uns jederzeit frei in jede Richtung bewegen.

noch eine kleine Verzieerung

Der melancholische Charakter
Der Melancholiker hat einen intellektuellen Charakter. Tango ist nicht intellektuell. Aber Tango ist melancholisch.
Der Intellekt, die Tätigkeit unseres Verstandes, ist immer abstrakt, wenn er sich mit sich selbst beschäftigt. Abstrakt sein heißt, herausgezogen sein oder abgezogen sein. Nicht ganz bei sich sein.
Der Intellekt ist melancholisch. Denn er weiß alles und ist nichts. Und das ist ihm bewußt. Im Tango geben wir dem kreativen Teil des Denkens eine Richtung und nutzen die formende Kraft, um unserer Seele im Medium der Musik Form zu verleihen. Das Denken, wie wir es kennen, ist die Fähigkeit, einem Inhalt Form zu geben, d.h. Gestalt zu verleihen. Wenn wir tanzen, dann tanzen wir auch immer nach außen. Wer tanzt, zeigt sich.
Die Befreiung des Intellekts im Tanzen ist seine Hingabe an das, was er nicht verstehen kann - das Leben.
Wenn wir tanzen, vergessen wir uns und wir erinnern uns. Wenn wir die Form nicht füllen können, tanzen wir nur die Schritte und vereinsamen in Schrittfolgen. Wenn wir uns beim Tango nicht von unserem Denken regieren lassen, sondern es verwenden um die musikalische Inspiration mit der Tanzsituation und dem Tanzpartner zusammen zu bringen, dann ist das die Hingabe des Denkens, indem wir es an die Musik und den Partner hingeben. Diese Hingabe ist die Befreiung des Intellekts aus seiner Einsamkeit.

noch eine kleine Verzieerung
Bewegung und Gegenbewegung

Jede Bewegung hat eine Gegenbewegung. Wenn wir uns aufrichten, drücken wir nach unten, wenn wir nach vorne gehen, greifen wir mit den Füßen nach hinten und stoßen uns ab. Bevor wir uns äußern, greifen wir nach innen.

 Verzierung


Die Ausdehnung des Herzens

Die Haltung für unsere Aufrichtigkeit wächst aus dem Grund unseres Herzens. Die Haltung ist das ewig grüne Ästchen im Zentrum unseres Herzens und schwingt als heller Ton über dem warmen dunkelroten Grundton der Seele und verknüpft freudig Himmel und Erde. Im leisen Flattern der Flügel spüren wir die Freude der kindlichen Liebe, die allem zu Grunde liegt. Wenn wir hingegen fühlen, daß unser Herz bricht, dann spüren wir schmerzvoll das Ästchen, wir spüren den Knick im Lebensfluß, der Fluß wird gebrochen, und wir verlieren die innere Haltung.

Das ist der wirkliche Mut:
die Ausdehnung des Herzens.


Die Erfüllung ist das Geschenk der Hingabe des Herzens.

Wenn unser Herz geknickt ist, können wir ihm helfen,
indem wir uns aufrichten. Wenn wir geknickt sind, können wir mutig sein und uns ein Herz nehmen.

Das Herz ist der Ort, wo das Licht warm wird, weil es in ihm einen Gegenstand hat.


 Verzierung
Der angenehme Widerstand

Eine angenehme Berührung ist immer mit Widerstand verbunden.
Im Tango gibt sich die Frau der Führung des Mannes hin, in dem Sie ihm einen angenehmen Widerstand entgegenbringt. Der Mann geht vorausschauend, umsichtig und schafft Raum, in dem sich die Frau entfaltet und wohl fühlt. Das Miteinander, das dabei entstehen kann, ist zärtlich und aufmerksam für den Schwerpunkt, das Zentrum des Anderen. Die Musik ist der Ort der Inspiration, in dem wir uns gemeinsam aufhalten. Den Tango spüren wir. Wir können ihn nicht wissen oder festhalten. Er ist im Moment. Tango ist: sich gemeinsam in der Musik spüren.
 Verzierung
Diese Ausführungen sind nichts ohne das Tanzen.

David Lepold


 Verzierung

Sa, 30. Juni 2007

Endlich habe ich die kleinen Notizzettelchen gefunden,
auf denen ich vor einigen Monaten etwas notiert hatte, das ich schon beim Schreiben dem TangoLoft widmete, weil es dort inspiriert wurde:

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You Tango Me

I

Umarme mich Tango,
fasse mich ein,
ich will jeden Atemzug
eins mit Dir sein.

Ich will Dich berühren
und tief in Dir ruh'n.
Ich will in Dich eingeh'n
und Schönes Dir tun.

II

Du atmest mich aus,
- ich atme Dich ein -
da läßt Du mich fallen
und sprichst:
"Wach auf! Du bist in Begleitung!
Ich will Dich zu zwei'n! "

III

Wir öffnen die Segel
und setzen das Kreuz
und fahren durch Blumengewinde getrieben
in Wassern aus Klang und aus Stolz.


 Verzierung

David Lepold
05.07.2007